Es wird ja oft gesagt, dass das BGE mit ganz verschiedenen Ideologien vereinbar ist oder diese sogar miteinander versöhnt. Das ist zum Teil in der Tat so - ein richtig begründetes und richtig umgesetztes BGE kann eine wirkliche Synthese aus Liberalismus und Sozialismus sein. Wenn man für das BGE einmal eine eigene Partei gründen müsste (falls die bestehenden sich als unbeweglich erweisen), könnte man sie "Liberale Sozialisten Deutschlands" nennen, obwohl ich nicht weiß, ob das mit der Abkürzung funktioniert.
Die Synthese bestünde darin, dass man den natürlichen Reichtum sozialisiert (Faktor Land besteuern und daraus BGE und sonstige Staatsaufgaben finanzieren) und die produktive Wirtschaft weitgehend von Steuern und Regulierungen befreit. Was von Natur aus da ist, gehört allen zu gleichen Teilen; was durch Arbeit erschaffen wird, gehört dem, der es erarbeitet (entsprechend den freien Vereinbarungen auf einem - durch das BGE erst wirklich entstehenden - Arbeitsmarkt). Wirkliche Liberale, die eben nicht nur Klientelvertreter der Reichen und Besserverdienenden sind, sollten das verstehen. Die Perspektive hier ist eine Vereinbarung von gesamtwirtschaftlicher Effizienz und Verteilungsgerechtigkeit. Noch herrscht bei vielen die Meinung vor, man könne immer nur eine Abwägung zwischen diesen beiden Zielen treffen: mehr vom einen würde notwendigerweise weniger vom anderen bedeuten.
So könnte also in einem beachtlichen Maße eine politische "Befriedung" bewirkt werden. Aber diese geschähe ja zunächst nur auf einer praktisch-utilitaristischen Ebene - das BGE wäre ein Instrument, das eine Mehrheit für vernünftig befinden würde, weil es "funktioniert", sei es im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Resultate oder der jeweiligen Eigeninteressen. Wie sieht es aber auf grundlegender philosophischer Ebene aus? Hier kann man sich zunächst umgekehrt fragen: wie kann man die Philosophie beschreiben, die einen, trotz Kenntnis aller relevanten Argumente, zum hartnäckigen BGE-Gegner macht? Mit einem Wort: Sozialdarwinismus.
Sozialdarwinismus bedeutet, die Prinzipien der biologischen Evolution (Darwinismus) - also struggle for life und survival of the fittest - auf die menschliche Gesellschaft übertragen zu wollen. Die Nazis waren Sozialdarwinisten par excellence. Deren Weltanschauung wird unmittelbar greifbar in einem alten Nazi-Lied, das folgende Strophen enthält:
Die Welt gehört den Führenden,Nun erhob der Nationalsozialismus, wie der Name sagt, den Anspruch auf eine Art Sozialismus - aber eben nur für das deutsche Volk. Das Volk wurde quasi als größerer Organismus betrachtet, bei dem alle wie die Zellen eines einzelnen menschlichen Organismus funktionieren müssen und man gegen äußere Feinde zusammensteht. Dieser Biologismus fand damals noch im deutschen Volk eine atavistische Resonanz, die bei anderen Völkern so nicht denkbar gewesen wäre, am wenigsten bei Amerikanern, die eben keine vergleichbare gemeinsame biologisch-ethnische Basis hatten. Ist eine solche Basis vorhanden und noch nicht durch eine hinreichend starke intellektuelle Identifizierungsbasis überlagert, kann ein solches "völkisches" Bewusstsein als natürliche Erweiterung der Urmuster von Familien- und Stammesdenken Raum greifen. Denn das Prinzip ist ja dasselbe: man steht dem am nächsten, mit dem man am meisten genetische Gemeinsamkeiten hat.
Sie gehn der Sonne Lauf,
Und wir sind die Marschierenden,
Und keiner hält uns auf.
Der Kerl muss nicht geraten sein,
Den unser Lied nicht packt,
Ein Kerl muss bei Soldaten sein,
Gleich schlägt sein Herz im Takt.
Holt alle hinterm Ofen vor,
Grad den, dem's nicht gefällt,
Und singt ihm unsre Strophen vor,
Bis er das Lied behält.
Aber es gibt auch andere Formen des Sozialdarwinismus. Eine ist der Kapitalismus. Ich verwende hier den Begriff wohlunterschieden vom Begriff "Marktwirtschaft", ein Unterschied, der interessanterweise im deutschen und wohl weitgehend im kontinentaleuropäischen Sprachgebrauch üblich ist, während im Englischen die Begriffe praktisch synonym verwendet werden. Würde man in Deutschland eine Umfrage machen "Was halten Sie vom Kapitalismus?" und würde eine Bewertung auf einer Skala abfragen, und dann eine separate Umfrage "Was halten Sie von der Marktwirtschaft?", so würde die Marktwirtschaft im Durchschnitt garantiert eine erheblich bessere Bewertung erfahren als der Kapitalismus. Selbst wenn viele gar keinen Unterschied definieren könnten, hat "Kapitalismus" doch einen negativen, "Marktwirtschaft" einen eher positiven Beiklang. Der Begriff "Kapitalismus" wurde ja ursprünglich im Marxismus geprägt und die entsprechend abschätzige Konnotation hat sich hierzulande bis heute gehalten, während man besonders in Amerika sich so mit der Sache identifiziert, dass der Begriff dort ins Positive gewendet ist, so wie es ja mitunter in anderen Bereichen vorkommt, dass ein ursprünglich abwertender Begriff für eine bestimmte Gruppe von dieser Gruppe "adoptiert" und mit Stolz verwendet wird (z.B. Geek oder Queer).
Der ideologische Kapitalismus ist gerade die Form des Sozialdarwinismus, die für eine Gesellschaft wie die USA, die auf Individualismus beruht, prädestiniert ist. Der Kampf, der hier glorifiziert wird, findet eben zwischen Individuen auf dem Markt unter bestimmten Regeln statt, die dem ganzen einen zivilisatorischen Anstrich geben. Es bleibt aber beim gnadenlosen Überleben des Stärkeren, es gibt keinen Anspruch auf eine sichere Existenz. Die Schwächsten im Markt-Kampf sind zur Sklaverei verdammt. Wes Geistes Kind eine solche Ideologie ist, ist daran ersichtlich, dass sie üblicherweise "naturrechtlich" begründet wird. Doch Naturrecht ist ein völlig unsinniges Konzept; Rechte werden immer von Menschen gemacht. Das Extrem eines solchen Wahns ist Ayn Rand, die allen Ernstes behauptete, ausgehend von der Identitätsregel "A = A" durch pure Logik (in Wirklichkeit natürlich nur mit billigen Taschenspielertricks) folgern zu können, dass der Kapitalismus das einzig korrekte System ist. Andere berufen sich auf die Bibel, um zum gleichen Ergebnis zu kommen; der religiöse Fanatismus in den USA ist dementsprechend kein Zufall.
Während also Kapitalismus Existenzkampf, extreme Ungleichheit und Ausbeutung impliziert, ist Marktwirtschaft einfach nur als Gegensatz zu Planwirtschaft zu sehen und impliziert schlicht Effizienz. Jedes kapitalistische System ist natürlich eine Art von Marktwirtschaft, aber nicht jede Marktwirtschaft ist kapitalistisch. Die wahre Marktwirtschaft ist doch die, die die meiste real erlebbare Freiheit und den geringsten Zwang bedeutet, und das wird am besten gewährleistet durch die Befreiung von der Existenzangst. Aber ein fundamentalistischer Kapitalist wird dies niemals zugestehen - er ist von Grund auf Sozialdarwinist, auch wenn es ihm gar nicht bewusst ist oder er es nicht offen zugeben will.
Was ist nun die Antithese zum Sozialdarwinismus? Mit einem Wort: Humanität. Humanität bedeutet, die (gleiche) Würde jedes einzelnen Menschen als wichtigsten Maßstab des eigenen Handelns und der Politik zu sehen, und das Ideal einer harmonischen Weltgesellschaft im Gegensatz zu einer Vorstellung ewigen Kampfes. Dieses Prinzip folgt nicht logisch aus irgendetwas Grundlegenderem, sondern ist selbst ein philosophisches Axiom; man kann sich dafür entscheiden oder für den Sozialdarwinismus. Beides kann in sich völlig logisch-konsistent sein. Hitler z.B., der ja keineswegs "geisteskrank", sondern durchaus intelligent war, war einfach ein sehr konsequenter Sozialdarwinist, dessen Gedankengut eine große innere Logik hatte, nur alles auf einer Basis, die sich etwa von meiner diametral unterscheidet.
Das BGE ist ein idealer Ausdruck des humanitären Prinzips.
Unsere Losung also, auf praktisch-politischer Ebene, sollte nicht sein "Freiheit statt Sozialismus", sondern "Freiheit und Sozialismus" durch BGE. Das Grundprinzip aber heißt: Humanität statt Sozialdarwinismus.
Sorry, aber solche Beiträge machen mich langsam aggressiv. Wie verblödet sind wir eigentlich schon, wenn zwischen "Sozialdarwinismus" und "Anspruch auf sichere Existenz" kein Platz mehr für weitere Hirnströme ist?
AntwortenLöschenIch sage nicht, dass jeder, der gegen ein BGE ist, ipso facto ein Sozialdarwinist ist, falls Du das meinst. Den meisten sind nur gewisse relevante Fakten nicht bewusst - insbesondere dass Arbeit nicht Quelle allen Reichtums ist - bzw. sie können solche gar nicht denken, weil der Arbeitsfetischismus bei ihnen einfach zu tief sitzt. Du kannst mir gerne Deine Sicht der Sache erklären und ich gehe im Detail darauf ein.
AntwortenLöschenMeine Sicht der Dinge kannst du zum Beispiel, ganz aktuell, in aller Kürze in der hier unter meinem Namen verlinkten Notiz lesen.
AntwortenLöschenBei deinem Beitrag ärgert mich allerdings vor allem diese alberne Dichotomie zwischen Sozialdarwinismus und dem Anspruch auf eine sichere Existenz. Warum immer mit den unrealistischsten Extremen arbeiten?
Die Forderung nach individueller Freiheit, Selbstverantwortung und Privateigentum hat nichts mit Sozialdarwinismus zu tun und schließt weder - im Allgemeinen - soziales Handeln, noch - im Konkreten - Wohlfahrtsmaßnahmen aus. Sie besteht allerdings auf deren *Freiwilligkeit*.
Und was den "Anspruch auf eine sichere Existenz" betrifft: Wem gegenüber willst du den denn mit welchem Recht artikulieren? Wer ist, außer dir, aus welchen Gründen für die Sicherung deiner Existenz verantwortlich?
Wie gesagt, diese Dichotomie habe ich so nicht aufgestellt, da hast Du etwas falsch verstanden. Auf das übrige gehe ich in einem eigenen Posting ein.
AntwortenLöschenich biite dich zu beachten, dass wir als gesellschaft auch gefangene und behinderte durchfüttern.
AntwortenLöschenim gegensatz zu behinderten haben gefangene sogar der gesellschaft geschadet und kosten dich noch viel mehr: gefängnisse bauen, erhalten, betreiben, verpflegung, therapien, …
bei behinderten zahlen wir auch deren dach unter dem kopf und deren essen und die behandlungen die sie brauchen.
ähnliches solidarisches prinzip findest du acuh in der krankenkasse: die gesunden zahlen für jene, die krank sind. besonders teuer sind da die psychiatrie-patienten. dort zahlst du auch deren unterbringung in einer anstalt, deren verpflegung, deren medikamente (an der die pharmaindustrie sich dumm und dämlich verdient), deren therapien, deren betreuung (ein psychiater verdient etwa so viel wie fünf leute, die grundeinkommen bekämen), …
wenn wir also behinderten und kriminellen und wahnsinnigen eine existenz zubilligen, obwohl sie uns noch viel mehr kosten als menschen mit einem grundeinkommen es täten, dann wieso will man es nicht auch gesunden menschen zubilligen? was haben gesunde menschen verbrochen? müssen sie zuerst kriminell werden oder krank werden, bevor sie ein recht auf ein existenzminimum ohne sklavenarbeit haben?
sklavenarbeit ist es nämlich heute für viele, da sie die schlecht bezahlte arbeit bei der sie meist auch noch erniedrigt werden (eben wie sklaven) annehmen MÜSSEN, was sie bei einem wirklichen arbeitsMARKT nicht tun müssten. heute können die unternehmer tun und lassen was sie wollen - das arbeitsamt vermittelt ihnen ja die sklaven. durch ein grundeinkommen müssten die menschen das nicht mehr mitmachen.
teuer zu stehen kommen die gesellschaft aber auch polizisten/polizeistationen und ausrüstung, richter/gerichte (die bräuchte man mit einem grundeinkommen kaum noch, da es weniger kriminalität gäbe aufgrund der abschaffung von armut), das militär und dessen waffen und ausrüstung und gebäude und bunker und jets … (wenn man das militär abschaffen würde, dann wäre das grundeinkommen sowieso schon finanziert) , ärzte (deren löhne sind SEHR hoch), manager mit ihren boni deren banken die auf kosten des steuerzahlers gerettet werden, bauernsubventionen (die müsste man mit dem grundeinkommen nicht mehr geben), mafia (die floriert im immobilienbereich und im nahrungsmittelbereich), schulen/gymnasien/hochschulen/universitäten mit ihren lehrern und professoren und deren bauten und material …. (mit einem grundeinkommen könnten die lehrer ihren unterrricht auf video aufnehmen und so wäre die ganze sache schon gegessen und sie müssten nicht mehr arbeiten gehen und könnten vom grundeinkommen leben und stattdessen etwas tun was es braucht; manche unis machen das schon so, wie zum beispiel stanford university - eine der besten), steuererleichterungen für reiche, beihilfe zur steuerhinterziehung (besonders bei reichen geht es da um viel geld und es wäre alleine schon von diesem geld, das man für das grundeinkommen brauchen könnte)… die liste ist nahezu unendlich mit den direkten und indirekten und versteckten subventionen. nur den kleinen mann, den will man auf keinen fall subventionieren - wenn, dann erst wenn er kriminell oder krank oder behindert wird???
...
AntwortenLöschenwenn ich so deinen kommentar lese, dann scheint mir eher, dass gerade eben so leute wie DU bei einem grundeinkommen nicht mehr arbeiten gehen würden (da sie nur an sich denken und ihnen das konzept der solidargemeinschaft zuwider ihres charakters geht). zu dem kann ich dich beruhigen: wir können auf dich verzichten. es ist sogar besser, wenn solche wie du zuhause bleiben und nicht mehr zur arbeit kommen, denn solche menschen, die es sich nicht einmal vorstellen können, dass es menschen gibt, die NICHT für das geld arbeiten, die arbeiten selber nur für das geld und sind dann auch in der regel jene, die ihre mitarbeiter rauseckeln, um sich dadurch persönliche vorteile zu erkämpfen, da sie ja nur an sich selber denken. so einer, der ständig neidisch rumläuft bist du. ständig nur auf den eigenen vorteil bedacht. kein herz, keine liebe, kein mitgefühl. dir ist armut in wirklichkeit völlig egal, da du ja nicht betroffen bist. dir fehlt was: ein bonobo-affe ist humaner als du. du hast ein grosses ego und denkst, du seist was spezielles, nur weil du einen schweizer pass und ordentlich geld auf der seite hast, doch wenn man dich nach uganda verschleppen und dort verhungern lassen würde, dann wüsstest du, dass dies alles nur eine lüge ist. solche leute wie dich sollte man zur jagd freigeben. solche egoisten wie dich brauchen wir nicht. verschwinde doch auf eine insel und zeige mit deiner "eigeninitiative", was du so fertig bringst. leute wie du sind für unsere gesellschaft keinen pfifferling wert. wertvolle leute, wie einstein, tesla und andere erfinder, denen wir nahezu alles zu verdanken haben, was wir haben (beispiel: der geldsack christoph blocher mit seinen drei milliarden franken vermögen hätte nichts von all dem, wenn es nicht einstein und tesla und andere gegeben hätte - trotzdem beansprucht er allen gewinn für sich selber). jene wissenschftler und erfinder waren nie wirklich am monetären interessiert. viele von ihnen waren nur an einer besseren welt interessiert, wie auch die meisten nerds, die hinter der computerrevolution standen (während bill gates all den profit für sich selber absicherte und von den medien als held dargestellt wird). jener der das email erfunden hat, tat es weil es ihm spass machte. er hat keinen einzigen rappen dafür bekommen und wir alle können es heute benutzen. mit skype ist es das gleiche: dieser typ hat nichts daran verdient, sondern er wollte, dass die welt ein bisschen besser wird.
aber egoisten wie du kapieren das nicht, dass es so etwas wie "liebe" gibt. verschwinde doch!
...meine message ging übrigens an Felix Hau (doch ab!)...
AntwortenLöschenJ. Doe möchte ich danken für seinen wertvollen Beitrag.