Und dann gibt es auf der anderen Seite mitunter eine Gespensterdiskussion, ob "das Grundeinkommen" finanzierbar wäre - ohne Bezug auf ein bestimmtes Modell. Ob ein Grundeinkommen finanzierbar ist, ist aber keine Ja-Nein-Frage, sondern hängt eben entscheidend von dessen Höhe ab. Der größte BGE-Gegner wird nicht bestreiten, dass man 10 Euro/Monat finanzieren könnte, und der größte Befürworter wird nicht behaupten wollen, dass 10.000 Euro/Monat möglich sind. Irgendwo dazwischen liegt also die Grenze, bis zu der es finanzierbar ist - und man sollte hinzufügen, nachhaltig finanzierbar. Denn man könnte vielleicht ein noch höheres Grundeinkommen einmal oder einige Zeit lang zahlen, aber dann bräche irgendwann die Finanzierungsgrundlage weg. Die Frage nach der Finanzierbarkeit ist die Antwort darauf, wie hoch das Grundeinkommen sein soll. Es soll so hoch sein, wie es sein kann. Aber wieviel das ist, lässt sich nicht vorausberechnen.
Das mag nun auf den ersten Blick als ein Dilemma erscheinen. Wenn man ein BGE einführt, muss man doch vorher die Höhe festlegen, aber erst später kann man sehen, ob es in dieser Höhe auch auf Dauer finanzierbar ist. Nun, die Lösung ist nicht schwer: man wird sich an die Höhe herantasten müssen. Und zwar von unten. Von oben wäre fatal - ein einmal eingeführtes Grundeinkommen kürzen zu müssen könnte politisch schwierig sein und zu einer Schuldenfinanzierung führen, die schließlich in einem Kollaps und in der Diskreditierung der ganzen Idee endet. Man muss also niedrig anfangen und periodisch erhöhen (z.B. jeden Monat um 5 Euro) und jeweils die Folgen beobachten, dann wird bald klar, wo die (vorläufige) Grenze sein muss. Danach kann das BGE natürlich weiter proportional zum Wirtschaftswachstum steigen.
Eines ist nur wichtig bei diesem Prinzip der Einführung: Bestehende Sozialleistungen dürfen immer nur um die jeweilige Höhe des BGE gekürzt werden, nicht gleich komplett wegfallen. Wo immer sich die BGE-Höhe einpendelt: für Bedürftige, die nicht mit dem BGE alleine auskommen, gäbe es weiterhin bedarfsgeprüfte Zusatzleistungen.
Und man sollte sich nicht in Fantasien ergehen, wie hoch denn das BGE werden könnte, sondern sich ganz klar der Möglichkeit stellen, dass es am Ende deutlich weniger werden könnte, als man gerne hätte. Denn dann hilft ja nun alles nichts. Ein abschreckendes Beispiel der naiven Denkweise in der Finanzierungsfrage kann man hier sehen:
Es geht einzig und allein um die Verteilung dessen, was ohnehin schon existiert. Ein Kuchen bleibt bekanntlich gleich groß, auch wenn er statt in große Stücke in mehrere kleine geschnitten wird.Das bleibt er - aber man will ja im nächsten Jahr einen neuen Kuchen, und der kann unter Umständen sehr wohl kleiner sein.
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