Sonntag, 1. Mai 2011

Alles heraus zum 2. Mai!

"Alles heraus zum 1. Mai!" So stand es in der DDR auf vielen Transparenten, der Legende nach selbst an der Friedhofsmauer (so wie an der Spinnerei außen die Losung hing "Wir spinnen für den Frieden", und an der Nervenklinik "Alles, was wir sind, sind wir durch die Partei").

Aber was soll eigentlich heute noch ein Tag der Arbeit?

Historisch hat das natürlich seine Berechtigung, wobei ja auch nicht so sehr die Arbeit als solche glorifiziert wurde, sondern es ging um die Arbeiter und deren Rechte. Dass man arbeiten musste, war eine Selbstverständlichkeit und wurde nicht weiter hinterfragt. Ein ausreichendes Grundeinkommen wäre früher auch nicht realisierbar gewesen.

Heute aber sind die müden Parolen, die von Gewerkschaften und SPD am 1. Mai immer noch wiederholt werden, nicht mehr zeitgemäß. Die schlimmen Zustände in der Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts haben sich erheblich gebessert, aber nur teilweise durch Gewerkschaften und Politik, sondern - und das ist ja meistens die entscheidende Kraft in der Geschichte - durch den technologischen Fortschritt. Und der bewirkt, dass nicht nur für den Menschen gefährliche Arbeiten, sondern überhaupt alles, was sich programmieren lässt, von Maschinen erledigt werden kann. Also alle stupiden Routinearbeiten. Was übrigbleibt, ist am Ende nur das, was menschliche Kreativität und Intelligenz erfordert. (Und selbst hier kann man fragen, wie lange wir hier noch gefordert sind - künstliche Intelligenz könnte schneller als wir denken die menschliche überholen. Der technologische Fortschritt verläuft exponentiell. Aber das ist ein Thema für sich.)

Es geht also um einen Paradigmenwechsel allererster Kajüte, statt dessen rühmt sich die Bundesregierung, man sei auf der "Schnellstraße zur Vollbeschäftigung". Vollbeschäftigung ist heute aber ein Armutszeugnis, Zeichen einer bankrotten Politik. Denn es zeigt nur, dass die Menschen gezwungen sind, Maschinen zu unterbieten! Und je billiger die Maschinenarbeit wird, desto mehr sinken zwangsläufig auch die Löhne. Diese Entwicklung ist schon seit langem zu beobachten. Der Niedriglohnsektor wird immer größer, immer mehr Arbeiter müssen mit Hartz IV aufstocken. Die Gewerkschaften reden gegen diese Entwicklung an, aber sie wollen die Ursache nicht sehen. Weil man von dem Arbeitsfetischismus nicht wegkommt, wird man eher noch in die Technologiefeindlichkeit flüchten (wie einst die Maschinenstürmer).

Dabei ist der technologische Fortschritt doch offensichtlich ein Segen. Kollektiv gesehen, nimmt er der Menschheit lästige Arbeit ab! Die Probleme entstehen nur, wenn die Früchte dieser Entwicklung nicht korrekt verteilt werden und man hartnäckig von jedem einzelnen verlangt, seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen, obwohl dies in keiner Weise nötig ist.

Wenn es ein Grundeinkommen gibt, wird man den Fortschritt am Steigen der Arbeitslosigkeit ablesen können - diese müsste der Staat allerdings gar nicht mehr messen, man wird sich also mit Umfragen behelfen müssen. Genauer gesagt, wird das Sinken des Erwerbsarbeitszeitvolumens den Fortschritt markieren, denn erstens wird es nicht so einen scharfen Unterschied zwischen Arbeitenden und Nicht-Arbeitenden geben, sondern jeder wählt nach Belieben, wieviel er arbeitet, und viele werden nach heutigen Maßstäben "teilzeit" arbeiten; und zweitens besteht der Fortschritt speziell darin, Erwerbsarbeit zu eliminieren - die Menschen werden trotzdem im weiteren Sinne arbeiten, d.h. das tun, worin sie einen Sinn sehen.

Feiern wir deshalb am 2. Mai den 7. Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen (und derer, die es werden wollen)!

Aber das Grundeinkommen kommt nicht von alleine. Für die Befreiung vom Arbeitszwang müssen wir arbeiten. Also wo immer es geht Überzeugungsarbeit leisten oder zumindest die eigene Überzeugung selbstbewusst kundtun.

Und deshalb: Alles heraus zum 2. Mai! Oder, frei nach einem alten FDJ-Lied:

Nimm die Hände aus der Tasche,
sei kein Frosch und keine Flasche,
zieh nicht Leine, das ist deine Sache hier.
Nimm die Hände aus der Tasche,
sei kein Frosch und keine Flasche,
sei ein Grundeinkommens-Pionier!

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